Home

Trachtenfest 2003

Viele Bilder vom Trachtenfest unter "Bilder vom Fest"

 

Zeitungsbericht in der Südostbayerischen Rundschau am 09.07.03

Trachtenverein "Edelweiß" Roth-Kirchanschöring feierte ein außergewöhnliches

70-jähriges Jubiläum

Alle anderen Darbietungen des Wochenendes waren ohnehin über alle Zweifel

erhaben. Der Sänger- und Musikantenhoagart am Freitag war in sich selbst ein

Festakt der traditionellen Volksmusik. Wenn dabei etwas die absolute Stille

störte, bei der die Zuhörer den leisen Passagen aus der Ziach des Schneider

Willi zuhörten, dann war es ab und zu das Rauschen des Regens auf dem

Zeltdach und nicht das sonst übliche Geraune im Zelt. Selbst die Ansagerin,

Erika Greiss aus Salzburg, meinte am Ende des Abends, sie hätte noch nie

eine solch andächtige Stille in einem Festzelt erlebt. Die lautesten

Geräusche waren der immer wieder aufbrandende Applaus für die musikalsichen

Darbietungen und das Gelächter der Zuhörer über die gelungenen und trocken

vorgetragenen Witze von Greiss. Das Quartett der Kampenbrunner Sänger

stellte sie als Tischler vor, dabei seien drei davon Möbeltischler und einer

Stammtischler. Ein andermal erzählte Greiss von einem Gast im Wirtshaus, der

sich darüber erregt, dass er in den eben gegessenen Marillenknödeln keine

Marille gefunden habe, worauf der Wirt ihn darauf hinweist, dass in

Pferdeknödeln ja auch kein Pferd zu finden sei.

Festleiter Heidenthaler hatte am Beginn des Abends die Prominenz des Ortes,

Pfarrer Fleiner, 1. Bürgermeister Albert Reiter, 2. Bürgermeiser Wasti

Vordermayer und 3. Bürgermeister Hans-Jörg Birner sowie mehrere Ehrengäste

aus den USA begrüßt. Begrüßen konnte der Festleiter auch den

Gebietsvertreter der Trachtler, Peter Schützinger, und eine Abordnung vom

Patenverein "D` Mühlberger" aus Waging. Besonders herzlich hieß Heidenthaler

Ehrenvorstand Wasti Vordermayer willkommen.

Als besondere Gäste wurden auch Anthony und Liz Hostetter aus Philadelphia

im fernen Pennsylvania, USA, begrüßt. Die Hostetters, mit ihrem

offensichtlich etwas veramerikanisierten deutschen Namen, waren beruflich in

Prag gewesen und wollten auf ihrer weiteren Tour durch Europa an echtem

Brauchtum teilnehmen. Im Internet wurden sie unter Homepage des Trachtenvereins Roth fündig geworden.

Anthony und Liz hätten kaum eine bessere Wahl treffen können. Sie selbst

halten ohnehin auch ihre deutsche Vergangenheit aufrecht und sind Mitglieder

einer deutschstämmigen Trachtengruppe in Philadelphia. Er in Lederhosen und

sie im Dirndlgwand, waren deshalb schwer ausfindig zu machen im Bulk der

eben so gekleideten aus Kirchanschöring. Anthony und Liz und alle anderen

Anwesenden konnten sicher nicht umhin, beeindruckt zu sein von der Qualität

der Musik und des Gesangs, den sie hier zu hören bekamen. Ob Untermarktler

Tanzlmusi, Geschwister Demer, das Holzner Harfenduo, die Grießstätter Dirndl

mit ihren glasklaren Stimmen, die Kampenbrunner Sänger, die Perler Buam und

natürlich die Ziach-Legende, der Schneider Willi, sie alle begeisterten mit

ihren Beiträgen zum Hoagart. Kein Wunder, dass es Mitternacht war, bevor ans

Schlussmachen gedacht wurde.

Erika Greiss beendete den Abend mit einem netten Spruch über die Bayern, der

sagt: "Mia san in Bayern, da doama gern feiern und wenn s net so anstrengat

war, tat n ma gern arbatn a". Ein Dank der Organisatoren ging noch an den

Tontechniker Martin Koch, der das Zelt zur Konzerthalle gemacht 

Die Feier am

Samstag begann mit einem Standkonzert beim Alten Schulhaus in Kirchstein,

bei dem Kapellmeister Karl Straßer und die Musikanten der Blaskapelle

Kirchanschöring die Trachtler und ihre Gäste vortrefflich unterhielten. Als

anschließend zum Kriegerdenkmal auf dem Friedhof marschiert wurde, um dort

ein Totengedenken mit Kranzniederlegung zu halten, öffneten sich die

Schleusen des Himmels. Trotzdem wurde die würdige Feier unter Mitwirkung der

Blaskapelle und des Kirchenchores Kirchstein unter der Leitung von Franz

Hofmann zu Ende gebracht. Nur war der Beginn des Festabends im Zelt sicher

etwas unangenehm für die in ihren nassen Kleidern steckenden Musikanten.

Erst als sie von den anderen Mitwirkenden, der Seeholzmusi und den

Saaldorfer Sängern, wie sich Birgit Pöllner, Maria Schindler und Bernhard

Kern nennen, abgelöst wurden, konnten sie die Bühne verlassen um ihre

Instrumente, Noten und Kleider zu trocknen.

Festleiter Claus Heidenthaler konnte eine lange Liste von Gästen aufsagen,

die er begrüßen wollte. Pfarrer Kronast, die 1., 2. und 3. Bürgermeister der

Gemeinde, Albert Reiter, Sebastian Vordermayer und Hans-Jörg Birner waren

alle anwesend, wie auch die meisten Gemeinderäte und Pastoralreferent Georg

Ziegeltrum. Der 1. Gauvorstand der Trachtler, Peter Eicher mit Frau, wurden

begrüßt und ebenso mehrere Gauvorstandschafts-Mitglieder. An die zwei

Gebietsvertreter, Hans Haberlander und Christian Hinterstoißer, ging der

Gruß der hiesigen Trachtler und auch an die Gauehrenmitglieder Lois Edtmayr

und Bernhard Pletschacher mit deren Frauen. Besonders herzlich begrüßte

Heidenthaler die Ehrenbürger der Gemeinde, Siegfriede Schneider und Alfons

Meindl. Auch die Altbürgermeister, Hans Straßer und Gerhard Daiss waren

erschienen, um mit den Trachtlern zu feiern. Die Fahnenmutter der letzten

Fahnenweihe im Jahr 1983, Hedwig Tremel, und die Fahnen- und Patenbraut

dieser Weihe, Regina Baumgartner und Resi Scharrer, konnte Heidenthaler alle

begrüßen. Auch die Fahnenbraut von 1963, Burgi Wagner, war gekommen und

wurde begrüßt. Als vorhergehende Generationen von Vereinsvorständen und

deren Frauen konnte Heidenthaler Franz Huber, Franz Geierstanger und Wast

Vordermayer begrüßen. Ein herzliches Willkommen ging ebenfalls an den

jetzigen Vorstand des Patenvereins, der "D`Mühlthaler" aus Waging, Hias

Schneider. Nach den Begrüßungen übernahm Richard Mühlbacher die Ansage.

Geschickt und mit Gefühl, durchsetzt von netten Geschichten und Anekdoten,

kündigte er die passenden und gekonnt vorgetragenen musikalischen und

Gesangsdarbietungen der Blaskapelle Kirchanschöring, der Seeholzmusi und der

Saaldorfer Sänger an. Unterbrochen wurde die Musik für eine ganz besondere

Ehrung, bei der Wast Vordermayer für seine 70-jährige Vereinszugehörigkeit

ausgezeichnet wurde. Als 17-Jähriger ist er im Gründungsjahr dem Verein

beigetreten und hat diesem seither die Treue gehalten. Der Respekt war

förmlich aus dem anhaltenden Applaus zu hören, mit dem die Anwesenden dem

Wast und seiner Tres ihre Anerkennung zollten. Die Mitgliedschaft bei den

Trachtlern muss Wast gut getan haben, denn mit fast 88 Jahren ist er noch

immer wohlauf und freute sich mächtig über die Ehrung. Das Wichtigste sei,

dass "ma immer zsammhoitn und Tradition und Brauchtum net verkümmern

lassen", meinte er in seinem Dankeswort. Angesichts der vielen Jungen im

Verein sei ihm aber nicht bange.

Als besondere Einlage gab es auch zwei "Liadln" von den Schwangler

Geschwistern, dem siebenjährigen Florian und seiner ein Jahr älteren

Schwester Theresa. Auf der Bühne knetete Florian zwar etwas nervös die

Hände, angesichts des Meeres von Gesichtern die zu ihm aufschauten, aber

gekonnt und mit sicherer Stimme rezitierte er seine Gsangerl, begleitet von

Theresa an der Flöte. Auch die Ziachspieler des Vereins beteiligten sich an

der Unterhaltung des Abends und gaben mehrere Stücke zum Besten. Obendrein

drahten und plattelten die Aktiven sowie die Kinder- und Jugendgruppe vom

"Edelweiß", dass es eine Freude war. Dabei formten sie mit den Bögen, die

sie bei manchen Tänzen trugen, unglaublich komplexe Figuren. So verging der

Abend wie im Flug, und es durfte auch nicht zu spät werden, denn es stand ja

noch ein großer Tag mit Festgottesdienst, Festzug und weiteren Aktivitäten

bevor. 

Die Kirchanschöringer Böllerschützen sorgten früh am Sonntag dafür,

dass die Verantwortlichen nicht verschliefen. Um 8 Uhr begann die Begrüßung

der zahlreichen Vereine, die kamen, um mit den Roth-Kirchanschöringern

Jubiläum zu feiern. Der Begrüßung folgte die Aufstellung zum Kirchenzug, der

zum Feldaltar auf dem Hollinger Anger marschierte. Pfarrer Fleiner

zelebrierte die heilige Messe, die von der Blaskapelle Kirchanschöring und

der Rothler Stubnmusi musikalisch gestaltet wurde. Fleiner fragte in seiner

Predigt, ob wir es verdient haben, in einer so schönen Landschaft in

Wohlstand zu leben, wenn anderswo auf der Welt so viel Armut und Leiden

herrscht. Als Antwort gab er, dass wir sozusagen für unser Glück bezahlen

könnten damit, dass wir Glauben und Brauchtum wahrten und uns öffneten für

alle, besonders die Behinderten und jene, die nicht so viel Glück hätten wie

wir. Die Trachtler seien ein Vorbild darin, meinte Fl Bundestagsabgeordneter

Peter Ramsauer sagte in seiner Ansprache, es sei immer wieder eine Erholung

für ihn zurück zu kommen in diese Ecke Bayerns, die er "Ober-Oberbayern"

nannte. Wenn er das Gerangel und Gerede des Bundestages, das, wie er meinte,

manchmal in "Schmarrn" ausarte, satt habe, dann biete diese Landschaft und

die Leute hier das richtige Gegengewicht dazu. Er mahnte, die Tradition und

das Brauchtum nicht versiegen zu lassen, gratulierte den

Roth-Kirchanschöringer Trachtlern zu ihrem 70-jährigen Bestehen und wünschte

dem Jubiläumsverein alles Gute für die Zukunft.

Im Anschluss an den Festgottesdienst marschierte der aus zehn Einzelzügen

bestehende und schier nicht enden wollende Festzug, mit vielen Festwägen,

gezogen von wunderschön herausgeputzten Pferden, durch Lampoding und zurück

zum Festzelt. Die Blaskapelle Ringham-Petting machte dort den Anfang bei der

Unterhaltung der Gäste, die sich im Zelt eingefunden hatten. Danach kamen

Ehrentänze von insgesamt zehn Vereinen, wobei der Festverein und der

Patenverein Waging Anfang und Ende der Tänze markierten.

Beim gemütlichen Zusammensein dauerte es noch den ganzen Nachmittag, bevor

die Festlichkeiten ihren Ausklang fanden. Es dürften sicher auch nicht nur

die Hostetters aus Philadelphia gewesen sein, die höchst beeindruckt

Kirchstein verließen. al

 

 

 

 

Home 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an:  webmaster (at) trachtenverein-roth.de bitte (at) ersetzen mit dem @ Zeichen - leider notwendig wegen der vielen Spams
Stand: 09. Juli 2003 Copyright GTEV Roth / Kirchanschöring